Urlaub

2. Dezember 2012

Ja, Urlaub, die erste richtige Auszeit im Jahr 2012 stand an. Es ist unglaublich viel passiert im vergangenen halben Jahr, wenig Gutes und leider viel Ungutes.
Der Herbst 2012 stand zunächst im Zeichen einiger Reisen nach Deutschland und zurück, ein trauriger Anlass führte mich drei Wochen zurück nach Deutschland. Auch beruflich hatte der Herbst sein Highlight, mein Projekt, quasi meine ursprüngliche Aufgabe in China ging in Produktion und damit wart mein gegebenes Versprechen beim Verlassen meines alten Arbeitgebers eingelöst,. Insofern gibt es jetzt auch keine Gewissensbisse mehr mich nach einer anderen Aufgabe umzusehen. Und so ist der Wechsel in eine andere Abteilung auch schon fest vereinbart, was noch aussteht sind die Vertragsdetails, wir sind aber auf einem guten Weg.
Nach all diesen Strapazen der vergangenen Wochen war es dann endlich an der Zeit eine Auszeit zu nehmen. Und der Weg führte nach Kambodscha, einem Land im Umbruch. Der Herrschaft der Khmer entkommen, dennoch nach wie vor geprägt von staatlicher Macht und Korruption ist der erste Eindruck in Phnom Penh: Rückständigkeit. Wenn man aus Europa kommt und in Shanghai lebt, dann kann man sich dem Eindruck von Armut und Dreck nicht erwehren. Wir sind nachts in Phnom Penh gelandet und wurden von einem Fahrer des Hotels abgeholt, ein Junge hob unser Gepäckstück in das Auto und erwartete eine Bezahlung. Auf dem Weg ins Hotel passierten wir den einen oder anderen Nachtclub, vor dem Mädchen in engen Klamotten auf Feierwütige warteten. In der Hotellobby stand dann eine weitere junge Dame in engen und knappen Kleidern. Man kann sich denken zu welchem Zweck.
Am nächsten Morgen ging es dann mit dem tuk tuk zum Zentralmarkt, wo wir in einen Bus in Richtung Sihanouk Ville stiegen, einem Strandgebiet im Südwesten Kambodschas. Die Reisezeit betrug 5 Stunden und brachte uns in ein Paradies ähnliches Hotel mit eigenem Strand, schöner Pool Anlage und Spa mit Sauna zum Entspannen. Leider blieb uns nur ein Tag im Paradies, da die Weiterreise nach Siem Reap und Angkor Wat anstand. Dennoch bot der eine Tag im Paradies alles was das Herz begehrt, ein Sonnenbad am Strand inklusive Schwimmen im Meer, ein Glas Wein an Nachmittag, ein Dinner im besten Hotel der Stadt mit frischen Seefrüchten aus dem Meer und ein Bier am Serendipity Beach, der Backpacker Meile. Mit dem tuk tuk durchfuhren wir auch Victory Hill, die eher schwarze Seite dieses Orts, westliche, männliche Ausländer in den 50zigern, die sich in Südostasien niedergelassen haben. Der Grund ist Gegenstand der Spekulation.
Von Sihanouk Ville ging es dann weiter nach Siem Reap und den weltberühmten Tempelanlagen Angkor Wat, nicht ganz ohne Zwischenfälle. Die wohl wichtigste Straße des Landes Kambodscha, die Staatsstraße von der Hauptstadt Phnom Penh in die Touristen Metropole Siem Reap gleicht eher einem Feldweg als einer Schnellstraße. Schlaglöcher in Größe eines Mondkraters waren dann auch für die Federung des Toyota Camry zu viel, ein Schlag und der Reifen klapperte fortan am Radkasten. Der Weg in die nächste Werkstatt war zum Glück nicht weit und da der Toyota Camry auch das einzig verkaufte Modell in Kambodscha zu sein scheint war die Verfügbarkeit der Ersatzteile kein nennenswertes Problem. Jedoch bescherte der Schaden uns eine halbe Stunde auf dem Land in Kambodscha und natürlich neugierig auf mich gerichtete Blicke. In Siem Reap angekommen, nach einem Wechsel des Hotelzimmers von normalen Doppelzimmer mit dreckigem Klo in Deluxe Suite mit sauberen Klo aber anderen Mängeln, begann der Hauptteil unserer Reise. Am nächsten Tag brachte uns unser die nächsten Tage treu begleitender Tuk Tuk Fahrer zu den Tempelanlagen, genauso wie am zweiten und am dritten Tag. Die Tempelanlagen sind alt, groß und sehr beeindruckend. Es heißt im 13. Jahrhundert war dort die größte Stadt der Welt mit rund einer Millionen Einwohnern. Nach drei Tagen Siem Reap ging es wieder zurück nach Phnom Penh, in Erinnerung an die schlechten Straßen dieses Mal per Luft und dies bescherte uns einen weiteren halben Tag in der Hauptstadt Kambodschas zur freien Verfügung. Der Zentralmarkt, architektonisch durchaus ansehnlich, aber inhaltlich gefüllt mit Schund, ein klassischer Fake Markt, bildete den Anfang. Über das Ausländerviertel, die Straße mit den Bars und den jungen Mädels, ging es weiter zum Königspalast. Dort wurde noch dem jüngst in China verstorbenen Vater des Königs getrauert, der Eintritt war deshalb nicht erlaubt. Dann standen wir am Mekong und ich verlangte nach einem Kaffee, der schlimmste Kaffee in meinem Leben. Der Tag war gelaufen, mehr oder weniger vergiftet schleppte ich mich durch die schwüle Hitze in Phnom Penh und war froh am Abend wieder bei Regen im Tuk Tuk zum Flughafen zu sitzen. Unser Fahrer beschallte uns mit kambodschanischer Musik und war auch sonst ein lustiger Zeitgenosse. Um 5 Uhr morgen Ortszeit landeten wir wieder in Shanghai und begaben uns, nach der morgendlichen Taxifahrten ohne Umwege ins Bett. Fazit: Kambodscha ist eine Reise wert, reich an Eindrücken und Erlebnissen, aber ein zweites Mal muss nicht sein.

Kaum zurück in Shanghai stand die nächste Verpflichtung an, ein Freund war frisch gebackener Vater und lud zum Essen ein. Fuhr ich noch mit der Vermutung hin, es würde eine entspannte Veranstaltung bei ihm zu Hause, so wusste ich bei Ankunft, dass ich falsch lag. Einer chinesischen Tradition nach war die gesamte Familie, Freunde, Kollegen und sonstige Bekannte eingeladen, und natürlich war ich der einzige Ausländer. Und wieder waren mir die Blicke sicher…

Zurück auf Arbeit gab es dann die nächste Neuigkeit, während meines Urlaubs wurde bekannt gegeben, dass ich von jetzt an für alle Projekte in meiner Produktlinie zuständig bin. De facto eine weitere Beförderung, wenn auch nur für kurze Zeit, denn wie oben beschrieben strebe ich einen Wechsel ohnehin an. In jedem Fall stellt dies eine weitere Wertschätzung meines Wirkens dar und ist somit gerne genommen, auch wenn Verantwortung und Arbeit naturgemäß nicht weniger werden.

Nächste Woche steht mal wieder eine Reise und den nun schon sehr kalten Norden Chinas an, zwei Tage Training und ein Geburtstag Dinner. Langweilig wird es jedenfalls nicht in Shanghai…

Faul

13. Mai 2012

Ja, Faul, das war ich schon lange nicht mehr. Aber dieses Wochenende beschreibt dieses Wort wohl meinen Gemütszustand bestens. Nach einer, wie immer, anstrengenden Woche startete das Wochenende entspannt mit einem After-Work-Dinner und Drink gegen 21:30 Uhr. Gegen Ende des Dinners, die Schwere des Rotweins trug Ihren Teil bei, fielen die Augen von allein zu. Frühes Einschlafen war die Folge, gefolgt von verhältnismäßigem frühem Aufstehen.

Das frühe Aufstehen war nötig um der Mutter meiner Freundin zu chauffieren, zusammen mit einigen Umzugskisten. Der Umzug meiner Freundin in die neue, und sich in den Endzügen der Renovierung befindlichen, Wohnung steht unmittelbar bevor und führt selbstverständlich zu vermehrt privaten Verpflichtungen. Der Großteil der Arbeit ist jedoch bereits getan, und so geht der Blick nach vorne zu einer schönen neuen Wohnung und einem wohlverdienten Urlaub nach dem Umzug.

Nach dem Umzug folgte dann mein nun vierter Chinesisch-Unterricht. Der Unterricht ist bisher nur beschränkt effektiv als schlicht die Zeit für die notwendige Nachbereitung fehlt. Dennoch lerne ich natürlich hinzu und bin froh wieder damit angefangen zu haben. Seit dem Unterricht bin ich nun faul und genieße die frei Zeit, die auch durch die Dienstreise meiner Holden in das ferne Amerika bedingt ist.

Auf Arbeit hat sich auch Einiges getan, meine Chefin ist zurück von Ihrer Baby-Pause. Das macht sich insofern bemerkbar, als dass jetzt wieder jemand Anderes in meinen Themen mitmischt. Das fühlt sich zuweilen komisch an, nach 10 Wochen Alleinherrschaft, aber man gewöhnt sich wieder daran. Grundsätzlich kristalliert sich jedoch heraus, dass meine bisherige Verantwortung eher unbeschnitten bleibt. Mal sehen, wo dies hinfuehrt…

Laaaanges Wochenende!

5. April 2012

Nachdem ich nun nach meiner Landung in China 10 Tage durchgearbeitet habe nehme ich mir nun das Recht auf ein langes Wochenende heraus. Es wird sich wie Urlaub anfühlen in einem frühlingshaften Shanghai. Es sind nun konstante Temperaturen um die 20 Grad angesagt, und das bei noch erträglicher Luftfeuchtigkeit. Das hat mich dazu verleitet diese Woche wieder zwei Mal mit dem Drahtesel ins Büro zu fahren. Und schon habe ich wieder ein Kilo meines in Deutschland zugelegten zusätzlichen Gewichts verloren. So schnell geht das…

Die Pläne für das Wochenende halten sich zunächst mal in Grenzen. Morgen steht die Wohnungsübergabe meiner Freundin an, ein maßgeschneiderter Anzug muss abgeholt werden und Sport muss natürlich auch betrieben werden. Mal sehen, ein Bierchen am Abend wird auch noch möglich sein, bevor ich mich dann am Montag wieder in das Chaos im Büro stürze. Ohne Witz, heute war eine Mail an mich gerichtet die mit dem Wort Chaos begann. Soviel zu meinem Arbeitsalltag. Seit dieser Woche haben wir nun auch einen neuen obersten Chef in China. Mit diesem neuen Chef habe ich nun innerhalb 24 Stunden schon mehr Zeit verbracht, als mit der vorherigen obersten Chefin in anderthalb Jahren. Am Mittwochabend hatte ich zum Abendessen ausgeführt, Anlass war der Besuch zweier deutscher Kollegen. Alles in allem ein gelungener Abend mit der Möglichkeit in lockerer Atmosphäre den neuen VP persönlich kennenzulernen. Kann nie schaden…

Zurück

28. März 2012

Nun sind die zwei Wochen schon wieder vorbei, zwei Wochen zurück in Europa, zurück in der Heimat, zurück in bekannter Umwelt. Woran merkt man, dass man zu Hause ist nach eineinhalb Jahren in der Ferne? Man versteht die Menschen auf der Straße und den Schwachsinn, den sie verzapfen, wieder, die Autos fahren nach Rechtsfahrgebot, der Samstag und der Sonntag lassen sich langsam an, an einem kalten Morgen riecht man die Frische der Luft und sieht den Morgentau. Es sind die Details, die den Unterschied machen und die fehlen, mir, einem Unterfranken in der 20 Millionen plus Stadt Shanghai.

Aber mein Aufenthalt ist frei gewählt und so sitze ich auch nun wieder im Flieger, dieses Mal in Richtung Osten. Gut 10 Stunden dauert es bis ich wieder chinesischen Boden betrete. Hinter mir habe ich eine Rundreise in Europa. Angefangen mit der Landung in Frankfurt ging es weiter nach Schweden, genauer Arvidsjaur. Das Motto war Winter und Kontakte, blauer Himmel bei knapp 0 Grad und weißer Traumlandschaft entschädigten für den nasskalten Februar in Shanghai. Und da ich zu einer VW-Veranstaltung angereist war traf ich auch viele alte Gesichter wieder. Fast die gesamte ehemalige Abteilung in Wolfsburg traf ich wieder, und hatte einen schönen Abend mit den Kollegen. Es folgte ein entspanntes Wochenende mit Shopping auf der Kö, Angrillen und Splielen mit meinem Patenkind in Düsseldorf. Nebenbei traf ich auch zwei gute Freundinnen aus vergangenen Tagen zum Kaffe und tratsche über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In der zweiten Woche war ich dann wieder in Koblenz beschäftigt. Dieses Mal klappte es leider nicht besonders gut einen Gang in Deutschland zurück zu schalten. Zumeist saß ich nun auch in Koblenz als Letzter noch im Büro. Der neuen Verantwortung sei gedankt.

Und nun bin ich also wieder zurück in Shanghai, zurück in meinem neuen Zuhause. Ich freue mich vor allem wieder auf meine Freundin, auf den leider nur kurzen Frühling, auf die eine oder andere Party-Nacht und auch auf den Besuch meines Freundes aus Zeiten des Chinesisch-Studiums. Nach zwei Wochen Arbeiten in Europa folgt nun auch die extreme Umstellung auf das chinesische Arbeitsmodell, 7 Tage in Folge arbeiten. Das kommende Wochenende wurde zu Arbeitstagen umgewandelt um die folgenden drei Tage, Montag bis Mittwoch frei zu haben. Leider sind zu dieser Zeit nur zwei wichtige Gäste aus Koblenz in China zu Gast, so dass meine Verfügbarkeit gewährleistet sein muss. Das bedeutet Arbeiten von morgen bis einschließlich Karfreitag, ohne Pause. Herzlich Willkommen zurück!

Verantwortung

11. März 2012

Verantwortung wächst und wächst in China, sofern man sich nicht dagegen wehrt. Mein Team ist weiter gewachsen, im Moment berichten drei Mitarbeiter an mich und während der Abwesenheit meiner Chefin verantworte ich derzeit auch die Geschicke der restlichen Projektmanager im Bremsregelbereich, zumindest inhaltlich. Das war zu Beginn durchaus auch beängstigend, macht im Moment aber zunehmend Spaß bei bestimmten Entscheidungen die Richtung vorgeben zu können. Mein Stellenwert im Unternehmen wächst konstant und wir mir auch von nicht unbedeutenden Kollegen bestätigt. Nun gilt es für mich den Stellenwert auch in bare Münze umzuwandeln, das wird allerdings kein einfaches Unterfangen in dem Wissen, dass HR in diesem Unternehmen selten „Ja“ sagt, so wie an dem seit ca. 8 Monaten ausstehendem Approval für bezahlten Chinesisch-Unterricht oder der Übernahme meiner gestiegenen Mietkosten zu entnehmen ist. Mal sehen, wo dies noch hinführt…

Inzwischen bin ich sogar wieder in Deutschland gelandet, allerdings nur für einen kurzen Stopp-over um am Montag in den nächsten Flieger gen Arvidsjaur zu sitzen. Ich werde nun zum dritten Mal am VW Winterabschluss in Schweden teilnehmen, dieses Mal auf der anderen Seite. Jedenfalls freue ich mich schon auf Schnee und Winter, besonders nach nasskalten Tagen in Shanghai, dem zweit regenreichsten Februar in Shanghai seit 57 Jahren. Im chinesischen Wintertestzentrum Heihe war ich dieses Jahr im Januar, mit -35 Grad auch eine Wintererfahrung, aber zu richtigem Winter fehlte in Nordchina einen nennenswerte Schneedecke. Der Trip nach Arvidsjaur wird auch dazu führen, dass ich viele bekannte Gesichter aus vergangenen Tagen treffen werde, auch Kollegen die zu Freunden geworden sind.

Da die Rückreise von Schweden zurück nach China wieder über Deutschland führt werde ich noch eine weitere Woche in Koblenz verbringen und dort mit den deutschen Kollegen an meinem Projekt, bzw. inzwischen Projekten, arbeiten. So komme ich also in den Genuss zwei weitere Wochenenden in Deutschland, die ich nach derzeitiger Planung in Düsseldorf und Würzburg verbringen. Wer sich an den genannten Orten befindet darf sich gerne melden. Die Zeit ist immer knapp, aber was möglich ist wird möglich gemacht.
Ansonsten laufen so langsam die Planungen für den Sommer an, Highlights in zeitliche Reihenfolge werden sein zunächst der Besuch meines Pekinger Homies in Shanghai, dann der Umzug meiner Freundin in Ihr neues Eigenheim, schließlich der Sommerurlaub mit Freundin (das Ziel ist Asien), schließlich der Besuch meiner Bruders in China und auch beruflich, der Launch meines Projekts. Wenn ich nach China zurückkomme Ende März ist zumindest der Frühling schon mit hoher Wahrscheinlichkeit angekommen, der erste Schritt in einen hoffentlich großartigen Sommer 2012 in Shanghai!

Aus der Versenkung

13. Februar 2012

Dann fange ich mal mit dem nahtlosen Update meiner beruflichen Situation an, mein Direktor hatte im Oktober also gekündigt. Er war dann im November verschwunden, und heute, im Februar gibt es noch keinen Ersatz. Da die Projekte ja doch irgendwie weitergehen, ein klassischer Fall von Einsparungspotenzial. Jedenfalls führt dieser Zustand nun dazu, dass ich aktuell keinen direkten Chef mehr habe. Meine Chefin ist seit heute für 10 Wochen in Mutterschaft, einen Direktor gibt es nicht, so landet man dann ganz schnell am oberen Ende der „Befehlskette“. Da meine Chefin mich zu ihrer Vertretung als Verantwortlicher für alle Bremsregel-Projekte gemacht hat, bin ich nun also nicht mehr nur noch für VW-Projekt, Industrialisierung und Value Management zuständig, nein, nun darf ich auch die Verantwortung für chinesische Kundenprojekte übernehmen, oder kurz, Alles eben. Das steigert natürlich weiter meinen Workload, mal sehen wo das 2012 noch hinführt. Nach meinen Vorstellung raus aus dem Projekt Management.

Privat hat sich in den letzten Monaten auch so Einiges getan, Highlights waren ein romantisches Wochenende mit meiner Freundin in Hainan, der chinesischen Südsee, an meinem Geburtstag, mein ersten Weihnachten nicht in Deutschland und schließlich das chinesische Neujahr bei und mit der Familie meiner Freundin. Natürlich bin ich in die üblichen Fettnäppchen als Ausländer getreten, und habe zum Beispiel dem 90jährigen Großvater ein Frohes Neues und Reichtum für das kommende Jahr gewünscht. Ich wusste aber danach unvermittelt selbst, dass ich wohl besser Gesundheit gewünscht hätte. Ansonsten waren die 7 freien Tage von Entspannung pur in der chinesischen Provinz, einer Kleinstadt mit ca. 1,3mio Einwohnern als auch ein paar Tagen in Nanjing mit Besuch thermischer Quellen. Während des Urlaubs habe ich dann ach meine erste eigene Erfahrung auf chinesischen Autobahnen sammeln können, da ich seit Anfang Januar, im zweiten Anlauf, nun Besitzer eines chinesischen Führerscheins bin.

Nun laufen die Planungen für die nächste Dienstreise nach Deutschland an, und da ich mir im Moment meine Dienstreisen auf Grund des oben beschriebenen Umstands selbst genehmigen kann werde ich wohl im März mal wieder gen Heimat aufbrechen. Nach meiner Rückkehr sollte es dann in Shanghai auch schon wieder in Richtung Sommer gehen, obwohl ich eingestehen muss, dass der diesjährige Winter verglichen mit vergangenem Winter geradezu sommerlich erscheint. Auch die Temperatur-Meldungen aus Deutschland sind da ganz anderer Natur. Nun, so haben sich meine Befürchtungen in Luft aufgelöst und ernsthaftes Frieren ist ausgeblieben.

Tatsache

29. Oktober 2011

Da bin ich also doch schon wieder in Deutschland. Die Probleme auf Arbeit müssen nur groß genug werden, und schon werde ich zum Feuer löschen nach Deutschland geschickt. Im Grunde habe ich es also selbst in der Hand, einfach bestimmte Probleme eine Weile liegen lassen, dann darf ich wieder nach Deutschland. Das wäre eine Taktik für die Zukunft. Naja, Spaß bei Seite, eigentlich treibt es mich so gar nicht in den Flieger. Die letzten Wochen waren schon extrem genug bezüglich Flugstunden und Bettwechsel, da freute ich mich doch auf mindestens 14 Tage in Folge in meinem Bett in Shanghai. Es hat nicht sollen sein…

Am vergangenen Wochenende stand dafür mal wieder eine Party-Nacht an, mit allem was dazu gehört, eine nettes thailändisches Dinner, ein paar Drinks zum Aufwärmen, ein Mitternachts-Snack mit der besoffene Chinesin und schließlich der Absturz in der Disco bis halb sechs Uhr in der Frühe. Der nächste Tag, zum Glück ein Sonntag, war dementsprechend etwas anstrengend. Erst das berühmte Konterbier mit den Franzosen bei der Live-Übertragung des Rugby-Finals brachte den Tag in Schwung.

Nun gibt es auch wieder im chinesischen Büro Neuigkeiten. Mein Direktor hat gekündigt und wird das Unternehmen verlassen, ja, sein Versprechen mich in 3 Jahren zum Direktor zu machen kann er also nicht mehr einhalten. So ist das mit der Haltbarkeit von Versprechungen in der chinesischen Arbeitswelt. In meinem Briefkasten flattern in jedem Fall auch in schöner Regelmäßigkeit neue Job-Angebote ein, und nicht alle Angebote klingen uninteressant. Noch bleibe ich jedoch standhaft, noch…

Reisekilometer

23. Oktober 2011

Von Sesshaftigkeit kann derzeit in China keine Rede sein, etliche tausend Kilometer habe ich in den vergangenen Wochen hinter mich gemacht, und etliche tausend Kilometer könnten noch dazu kommen. Der Reihe nach…

Noch Ende September stand eine Reise nach Nordchina, über Peking, zurück nach Shanghai an. Zweck waren ein Kunden- und ein Lieferanten-Besuch. Ist man beim Kunden noch der Diener so wird man beim Lieferanten in China zum Bedienten. Dem Meeting am Tag folgte eine opulente Einladung zum Abendessen mit jeder Menge Alkohol, Schnaps. Die Kunst besteht dann darin sich über Wasser halten zu können, was mir doch respektabel gelang. Kaum in Shanghai zurück wartete die nächste Kuriosität auf mich, drei Tage Pflege für den Hund eine Freundin. Da ich den Hund nicht vorher kannte, wusste ich natürlich nicht auf was ich mich eingelassen hatte. Jedenfalls scheine ich von Masha zu Hause verwöhnt zu sein, diesem Hund mangelte es an Erziehung.

Schließlich kam der Hund auch noch in den Genuss meinen Vater kennenzulernen, der die weite Reise nach China in die neue Heimat seines Sohnes auf sich genommen hatte. In der Folge standen dann die nächsten Reisekilometer am der Route Shanghai – Nanjing – Guilin – Yangshuo – Xi’an – Beijing folgend. Diese Reise folgte dem Zweck Land und Leute kennenlernen. Nach zwei Wochen Reisezeit mit vielen unterschiedlichen Eindrücken, schöner Landschaft, Megastädten, lecker Essen und vielen Menschen ging es schließlich wieder zurück nach Shanghai, quasi direkt ins Büro. Hatte ich schon im Urlaub die freien Minuten für die Arbeit aufwänden müssen, so ging es schon sonntags wieder ins Büro. Am Freitag hatte ich dann schließlich eine anstrengende Woche hinter mich gebracht, die nach einem bad day und ausgeprägtem Hass auf die Arbeit mit einer Fußmassage versöhnlich endete.

Gestern folgte dann wieder ein Rückfall in alte Zeiten, Party in Shanghai bis 5 Uhr morgens mit viel Alkohol und allem was dazu gehört. Dazu gehört leider auch der Kater am nächsten Tag, der mich länger als gewöhnlich ans Bett fesselt. Aber die verschafft mir zumindest die Zeit und Gelegenheit mal wieder das Tagebuch zu füllen, so hat jeder Medaille Ihre Kehrseite. Auch die kommende Woche kann ihre Kehrseiten haben, es steht eine sehr kurzfristige Dienstreise nach Deutschland im Raum. Ich halte dies zwar für sehr unwahrscheinlich, aber in China ist ja bekanntlich alles möglich. Das wären zwar weiter etliche tausende Reisekilometer und daher erneut Rastlosigkeit, aber Arbeiten in Deutschland ist ja bekanntlich, wie soll ich sagen, tendenziell entspannter. Ich harre der Dinge die da kommen mögen…

Aus der Versenkung…

18. September 2011

Ich mal wieder, lange ist es her, seit dem letzten Eintrag. Viel hat sich getan, mehr als ich micherinnern kann, geschweige denn erzählen kann. Doch die Konstanten sind durchaus auch noch vorhanden, die Freundin ist noch existent und es wird zwangsläufig ernsthafter, die Arbeit ist nach wie vor anstrengend und herausfordernd. Shanghai ist noch immer warm, aber inzwischen durchaus angenehm. Nun aber zu den Details…

In der langen Sommerpause dieses Blog hat sich vor allem ein Urlaub ereignet. Nach detaillierter Planung verschlug es mich doch wieder in die Heimat, wo ich europäische Luft schnupperte, atmete und genoss. Nach 10 Monaten Shanghai war eine Auszeit einfach mal wieder dringend notwendig. Seit einer Woche bin ich wieder zurück in China und bin mir mehr denn je sicher, dass ich mein Leben nicht in China verbringen werde. Für einen bestimmten Zeitraum durchaus zu genießen, ist dieses Land auf Dauer einfach zu fremd um hier ein Leben, wie wir es in Europa kennen, führen zu können. Nichtsdestotrotz zieht es mich im Moment nicht übermäßig nach Deutschland zurück, das mag an dem erneuten Wirtschaftspessimismus liegen, oder an meinem persönlichen Erfolg in China. Privat läuft es ohnehin gut, doch auch im Job kann ich mich nicht beklagen. Zwar ist die Belastung außergewöhnlich, aber auch die Anerkennung ist entsprechend. Neben einer Gehaltserhöhung trotz enger geschnürten Budget-Fesseln wurde mir auch ein Platz im Topf der „High Potentials“ zugedacht. Das bedeutet potenzieller Aufstieg in die hohe Führungsebene des Unternehmens. Mal sehen wo dies hinführt.

In naher Zukunft steht zunächst eine dreitägige Dienstreise in den chinesischen Norden an, über Changchun nach Peking nach Langfang, bevor dann mein Vater seine erste Reise nach China antritt. Die Planung für einen unvergesslichen Trip nach China ist in vollem Gange, schließlich will man seine Heimat im besten Licht zeigen.

Verbrannt

23. Juli 2011

Es ist Sommer, nicht erst seit gestern, aber nun habe ich meinen ersten richtigen Sonnenbrand. Ein halber Tag am Strand in Shanghai, 90 Minuten Anreise waren nötig, hat mir zu einem satten Sonnenbrand verholfen und das Wochenende ist damit gelaufen. Anlass für den Strand-Besuch waren die gegenwärtig in Shanghai stattfindenden Schwimm-Weltmeisterschaften, mit einem Teilnehmer Thomas Lurz. Mancher wird wissen, dass Thomas und mich eine Freundschaft seit dem Kindergarten verbindet, so dass ich es mir natürlich nicht nehmen lassen wollte ihn live bei einer WM schwimmen zu sehen. Abgesehen von den Qualen nach dem Sonnenbad war der Besuch ein Erfolg, Thomas ist erneut Weltmeister und ich war live dabei.

Den spärlicher werdenden Einträgen in diesem Tagebuch kann man entnehmen, dass mein Leben weiter an Fahrt gewinnt, oder eben anders ausgedrückt die frei verfügbare Zeit immer weniger wird. Der Grund liegt aber dieses Mal nicht in etwa immer größer werdender Arbeitsbelastung, nein, nun ist ein anderer Mensch verantwortlich, der, oder sollte ich sagen die, in mein Leben gekommen ist. Plötzlich geraten Gewohnheiten aus den Fugen, Pünktlichkeit wird schwieriger und schlicht die Organisation des eigenen Lebens in den jetzt noch verbleibenden paar Stunden pro Woche eine Herausforderung. Dennoch ist es natürlich eine schöne Zeit, die durchaus genossen wird.

Dahingegen wird der Sommer in Shanghai zunehmend wärmer, doch auch der Körper gewöhnt sich zunehmend an die neuen Umstände. Dennoch war eine Dienstreise nach Changchun wieder gerne genommen, 27 Grad, Sonne, blauer Himmel, kaum Luftfeuchtigkeit, traumhaft.

Nun heißt es zum ersten Mal „schmerzvoll“ Abschied nehmen in Shanghai, mein erster und wohl wertvollster Kontakt der ersten Monate verlässt Shanghai morgen endgültig in Richtung Kanada. Es steht noch ein letztes Chinesisches Dinner an und dann heißt es Abschied nehmen. Gewissermaßen ist das Alltag in Shanghai, wo viele Kontakte nur einen befristeten Aufenthalt planen.

Mal sehen wie meine Zukunft in Shanghai aussieht, die Frau an meiner Seite verändert einige Rahmenbedingungen, der Job ist aber, erst Recht nach einem längeren Gespräch mit meinem Direktor, nicht unbedingt in meiner Gunst gestiegen. Nun gilt es Möglichkeiten, Alternativen etc. auszuloten um am Ende eine vernünftige Entscheidung treffen zu können. Aber wenn sich schon verändern, dann doch in Shanghai, der Stadt der unendlichen Möglichkeiten. Verändert habe ich mich schon, oder er hat SIE mich verändert. Zwei bis drei Shopping-Touren haben zu neuen Akzenten in meinem Kleiderschrank geführt und auch zu neuen, eher exzentrischen, Brillen. Ich komme als neuer Mensch zurück nach Deutschland, vermutlich, fragt sich nur wann.